Synthetische Fasern

 

Unsere Version des faszinierenden, aber auch sehr technischen Vorgangs der Faserherstellung ist des schnellen Verständnisses wegen bewußt kurz und einfach gehalten. So manch einem Chemiker werden sich die Nackenhaare sträuben, wenn er unsere vereinfachte Betrachtungsweise eines eigentlich unglaublich komplexen und auch komplizierten Themas liest.

Möge er verzeihen, dass wir weder die Sprache der Techniker benutzen, noch alle Vorgänge bis ins Detail beschreiben. Die Entstehung der Fasern und die daraus hergestellten Garne werden in ganz groben Zügen beschrieben mit dem Ziel, dem Leser eine Vorstellung zu geben, warum funktionelle Gewebe oder Maschenwaren überhaupt "funktionieren".

Das Prinzip zur Herstellung von synthetischen Fasern wurde den Seidenraupen abgeschaut. Die Rohstoffe für die Fasern, Kunstfasern oder Zellulosefasern werden in großen Behältern in verschiedenen chemischen Vorgängen mittels Lösungsmittel und Hitze zu zähflüssigen Massen geschmolzen. Diese Spinnmasse wird mit der Spinnpumpe durch eine Edelstahldüse gepresst, in der winzige Löcher sind.

Was dabei herauskommt, sind Endlosfasern, auch Filamente genannt. Die noch flüssigen Fäden erstarren sofort und werden in die Länge gezogen. Überreste der Lösungsmittel werden herausgewaschen und die Filamente auf große Spulen gewickelt.

Die Seidenraupe spinnt mit nur zwei Düsen und einem festgelegten Querschnitt. Anders ist das bei der künstlichen Seidenraupe, an die bis zu 200 Spinndüsen mit bis zu 60 000 Einzelfilamenten auf einmal angeschlossen werden können.

Der Durchmesser der Filamente und der Querschnitt ist variabel und die Formen reichen von rund, oval, gezackt oder gerillt bis hin zur Hohlfaser. Sie bestimmen Eigenschaften und Aussehen der fertigen Stoffe oder Maschenwaren.

Fasern, die die Spinnmaschine verlassen, werden Filamente genannt. Sie stellen ein Monofil, ein Einfachgarn dar. Mehrere solcher Filamente zusammengenommen ergeben ein multifiles Garn. Die Garne werden entweder als Endlosgarn oder Spinnfasergarn verarbeitet. Je nach Anforderungen an den fertigen Stoff.

Spinnfasergarne sind in Stapellängen geschnittene Filamente, die wieder miteinander verdreht werden. Ergebnis sind Garne mit mehr Volumen und winzigen herausstehenden Faserenden, die mit bloßem Auge nicht zu sehen sind.

Der Lufteinschluss, somit die Wärme isolierende Wirkung und der Feuchtigkeitstransport sind wesentlich höher als bei Filamentgarnen. Die winzigen Faserenden, die aus dem meist locker gedrehten Garn heraus stehen, dienen als so genannte Abstandshalter zum Körper. Sie dienen der Luftzirkulation, einer wichtigen Voraussetzung für das angenehme Mikroklima auf der Haut.

Ein anderer wichtiger Aspekt zum Thema Funktion ist die Kräuselung der Faser (Spinnfaser und Endlosfaser), fachlich richtig Texturieren genannt. Im Gegensatz zu den mehr oder weniger gekräuselten Naturfasern sind die frisch gesponnenen Fasern erst mal glatt und ungekräuselt. Um ihnen die später zugedachten Funktionen zu geben, durchlaufen sie den Vorgang des Texturierens.

Hitze und mechanische Beeinflussung geben der Faser ihre Kräuselung. Je gekräuselter die Fasern, desto weicher und voluminöser wird das daraus gedrehte Garn. Die Kräuselung ist verantwortlich für die späteren Eigenschaften der Stoffe: ob fest oder locker, baumwollartig oder wollig weich, leicht oder voluminös. Je mehr Volumen ein Garn hat, desto mehr Luft wird eingeschlossen: In den Zwischenräumen sind mikrofeine Luftkammern oder Filamente.

Synthetische Fasern haben viele Vorteile gegenüber den Naturfasern:

  • der Faserquerschnitt ändert sich auch im nassen Zustand nicht.
  • dadurch bleibt die Porosität der Maschenware erhalten, selbst bei starkem Schwitzen.
  • der Schweiß wird selbst bei großem Feuchtigkeitsaufkommen von der Haut genommen und nach außen geleitet.
  • die Kapillarwirkung (von warm zu kalt) beschleunigt die Verdampfung und kann durch den Einsatz von stark saugfähigem Material, wie Baumwolle oder Wolle, auf der Außenseite der doppelflächigen Maschenware verstärkt werden.

Wenn synthetische Fasern als Spinnfasergarn verarbeitet werden, haben sie hochfeine abstehende Fäserchen, die sogenannten Abstandshalter zur Haut. Diese sorgen dafür, dass das Material auch im nassen Zustand nicht auf der Haut klebt. In dem Raum zwischen Haut und Textil wird Luft gespeichert, die bei Bewegung zirkuliert und durch Öffnungen in der Bekleidung (Ärmel, Kragen, Saum) austreten und sich erneuern kann (Ventilation). Es entsteht das notwendige Mikroklima, das den Körper atmen lässt.

Die Funktionen und Eigenschaften der Maschenwaren hängen nicht nur von der Verwendung der Materialien wie Polypropylen, Polyacryl, Polyester oder Polyamid ab, sondern ebenfalls von der Beschaffenheit der verwendeten Garne (texturiert oder glatt), der Garn- oder Faserkombination (Chemiefaser/ Baumwolle, Chemiefaser/ Chemiefaser) und von der Strick- oder Wirkart (Schlingen, Rippen oder glatte Innenfläche).

Nachfolgend geben wir Ihnen einen Überblick und die wichtigsten Information zu synthetischen Fasern, die eine funktionelle Sportbekleidung ausmachen.

 

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