Zur Sicherheit der Verbraucher

 

Qualitätslabel

Mode soll nicht nur gefallen, Sportmode nicht nur funktionell sein. Das Thema der gesundheitlichen Unbedenklichkeit unserer Bekleidung tritt zunehmend in das Bewusstsein der Verbraucher. Sie möchten wissen, ob sich hinter der Augenweide farbenfroher moderner Textilien nicht vielleicht die mehrfach in die Schlagzeilen geratene Reizstoffe wie Tributylzinn (TBT) oder Quecksilberverbindungen verbergen, die weder zu sehen noch zu riechen sind.

Kleidung ist eine zweite Haut, die uns rund um die Uhr begleitet und uns vor Kälte, Wind und Wetter schützt. Mehr noch: Mit der Art, uns zu kleiden, unterstreichen wir unsere Persönlichkeit, unterstützen das Selbstbewusstsein, senden bewusste oder unbewusste Informationen an unsere Mitmenschen aus. Es macht einfach Spaß, sich modisch, individuell und mehr oder weniger ausgefallen zu kleiden.

Über den Sinn von Bekleidung zu philosophieren, würde den Rahmen sprengen. Vielmehr stellt sich die Frage: "Welche Sicherheit hat der Verbraucher beim Kauf von Funktionsbekleidung?" In den letzten 10-15 Jahren hat sich in dieser Hinsicht viel getan. "Sich sicher wohl fühlen" war der Leitgedanke bei der Entstehung so genannter Qualitätslabels für Bekleidung.

Bereits im September 1989 wurde die erste Ausgabe der österreichischen Textil-Norm mit der Bezeichnung ÖTN 100 in Wien veröffentlicht. Dies war Anstoß und gleichzeitig Anfang für die Ausarbeitung eines Prüfstandards für Schadstoffmessung an Textilien in Deutschland beim Forschungsinstitut Hohenstein.

Tests und Laboruntersuchungen sollten den Grad an Schadstoffen herausfinden, die sich nach dem Produktionsprozess noch in der Bekleidung befinden und beim Tragen schädlich auf die Gesundheit auswirken könnten. Ziel war und ist es, diese Rückstände möglichst auf Null zu reduzieren, damit das gesundheitliche Risiko, Allergien und andere Reaktionen auf Textilien ausgeschlossen und dem Verbraucher Sicherheit garantiert werden kann.

Öko-Tex Standardisierung

Bereits 1991 wurden in Österreich bei 10 Firmen Produkte nach der ÖTN 100 zertifiziert. Zeitgleich entstand in Eschborn bei Frankfurt ein Arbeitskreis bei Gesamttextil, um Vorarbeiten für die Vergabe eines eigenen deutschen Öko-Labels durchzuführen, das Produkt und Produktionsbedingungen einschließt. Ende des Jahres schlossen sich das Österreichische ÖTN 100 und die Hohensteiner Institute zusammen zu Öko-Tex Standard 100.

...100%iger Verbraucherschutz

Inzwischen gibt es ein Netzwerk aus 20 Prüfinstituten und in der Zeit von 1992 bis 2000 wurden weltweit mehr als 18.000 Zertifikate ausgestellt. Ein Qualitätsargument für viele Millionen verkaufter Textilprodukte von der Wäsche bis zum Heimtextil. Eine besondere Stärke des Öko-Tex Standards 100 liegt darin, dass die Anzahl der Kontrollprüfungen in den letzten Jahren deutlich gesteigert wurde. Durch unangekündigte Produktstichproben werden jährlich rund 10 Prozent aller auf dem Markt befindlichen Öko-Tex-Zertifikate überprüft.

Die weltweit angeschlossenen Prüfinstitute arbeiten seit vielen Jahren in Forschung und Entwicklung. Aufgrund ihrer Spezialisierung und langjähriger Erfahrung kennen sie sich mit den unterschiedlichsten Aspekten von Textilien, deren Einsatzgebieten und Verwendungszwecken aus. Sie arbeiten gesicherte Prüfmethoden textiler Eigenschaften aus und testen so die Lichtechtheiten bei Auto-Sitzbezügen oder auch die Wasserdampfdurchlässigkeit von Funktionsbekleidung. Der strenge Kriterienkatalog der Prüfungen untersucht, ob verbotene AZO-Farbmittel, krebsauslösende und allergisierende Farbstoffe, Formaldehyd, Pestizide, chlorierte Phenole, chlororganische Carrier, extrahierte Schwermetalle, TBT und DBT verwendet wurden, ob Farbechtheiten vorliegen und ob der PH-Wert stimmt.

Das Öko-Tex-Zertifikat bekommt nur das Textil, das die Kriterien ausnahmslos erfüllt. Das betrifft alle Komponenten der Bekleidung, also Oberstoff, Futter, Zwischenlagen, Reißverschluss, Knöpfe und die verwendeten Garne. Die Prüfkriterien des Öko-Tex-Standards 100 decken mit ihrer Bandbreite ein weites Feld der Humanökologie ab. Parameter und Grenzwerte des international gültigen Kriterienkatalogs werden laufend überprüft und den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst. Auch außerhalb von Europa nimmt die Bedeutung des Öko-Tex-Standards kontinuierlich zu: So wurde kürzlich in Japan das Label erfolgreich eingeführt.

Das Blaue vom Himmel

Einen ganz anderen Ansatz hat das bluesign® Label: in allen Stufen des Produktionsprozess - von der Faser bis zum Knopf - eine höchstmögliche Schadstofffreiheit zu erreichen und Ressourcen schonende Verfahrenstechniken aufzuzeigen. Mit anderen Worten: öko-intelligent zu produzieren.

...das bluesign® Label

Die umweltfreundliche Ausnutzung vorhandener Ressourcen und die Anwendung neuer Technologien werden bereits im Vorfeld auf das Ziel hin geprüft, im Endprodukt die höchst mögliche Schadstofffreiheit zu erreichen. Dabei werden keine Abstriche an Funktionalität, Design oder Qualität gemacht.

Insbesondere die Ausrüstungsverfahren werden mit Argusaugen kontrolliert. Seit den Zeiten, als Textilveredelung ein im wahrsten Sinne anrüchiges Gewerbe war - weil beispielsweise roter Purpurfarbstoff aus tagelang vor sich hin faulenden Schnecken gewonnen wurde - hat die Textilindustrie dank der Chemie riesige Fortschritte gemacht.Textilfarben sind heute nicht nur leuchtender, sondern auch viel haltbarer als vor fünfzig Jahren.

Und obwohl die üblen Gerüche weitgehend verschwunden sind, weisen Textilien immer wieder gefährliche Giftstoffe auf. Um auch das zu verhindern und das oft weit verstreute Know-how über alle Schritte der Textilproduktion in Zukunft intensiver als bisher zu vernetzen und zu nutzen, haben international führende Entwicklungspartner wie 3M, Acordis, Ciba, Ems-Chemie, Görtz KG (Greenpeace-Produkte), Nike, Rudolf Chemie, Schoeller Switzerland und TWD seit 1997 damit begonnen, zusammen mit unabhängigen Forschungsinstituten wie EMPA, ETH Zürich, Öko-Institut Freiburg oder fex-a-Tec einen neuen Qualitätsstandard für Textilien und Bekleidungsstücke zu erarbeiten.

Der bluesign® Standard ist anspruchsvoll, dynamisch und offen für technische Innovationen. Garantiert wird dieser Standard durch strenge Homologierungs-, Zertifizierungs-, Lizenzierungs- und Controllingverfahren sowie den Aufbau eines elektronischen Handelssystems, in das sich nur lizenzierte Verarbeiter und Anbieter einloggen können. Dieser Standard bezieht sich nicht nur auf Äußerlichkeiten, sondern auf den gesamten Zyklus der Herstellung, des Gebrauchs und der Entsorgung.

Der neue Standard sieht im Detail vor, in einer dynamischen "bluelist" nur Produkte mit höchstmöglicher Schadstofffreiheit und absolut umweltverträglichem Verhalten zuzulassen. Damit soll die mühsame Suche nach Schadstoffen im fertigen Textil vermieden werden. Die Kleidungsstücke sollen aus sortenreinen Stoffen bestehen, die sich problemlos recyceln lassen: zum Beispiel aus Polyester (PES), der wieder in seine Ausgangsstoffe Terephtalsäure und Glykol zurückgeführt werden kann. In einer Schwarzen Liste sind Stoffe und Technologien aufgeführt, von deren Gebrauch sich die Lizenznehmer klar distanzieren.

Ein weiterer wichtiger Ansatz ist die beste Nutzung der natürlichen Ressourcen, wie dem Wasserverbrauch. Aktuelle Färbetechnologien, die bereits heute mit 40 Prozent des bisher üblichen Wasserverbrauchs auskommen, sollen künftig sogar nur noch 10 bis 20 Prozent beanspruchen.

Fachleute gehen davon aus, dass in den nächsten 30 bis 50 Jahren eine Effizienzsteigerung beim Einsatz von Energie, Ressourcen und anderen Materialien um den Faktor 10 nötig und möglich sein wird. Eine enorme Einsparung, die nicht nur die Umwelt entlastet, sondern auch die Produktionskosten.

Obwohl bluesign® seine Premiere bereits im Jahr 2000 während der EXPO in Hannover hatte, sind Produkte mit bluesign™ Label bisher selten zu finden.

Schweißarbeit

Wer Sport treibt, schwitzt. Aber auch die Produktion sportlicher Funktionsbekleidung und Ausrüstung verursacht Schweiß. Der Begriff der Sweatshops bezeichnet die Arbeitsbedingungen in den Fabriken von Entwicklungsländern, die im Zuge der Globalisierung der Produktion entstehen. Kinderarbeit, schlechte Arbeitsbedingungen, erniedrigende Abhängigkeitsverhältnisse und Gewalt gegen Näherinnen werden immer wieder von der Clean Clothing Campaign (CCC) aufgedeckt und stark kritisiert.

Zwar gibt es unterdessen Kodizes, die Produktions-, Arbeits- und Menschenrechtsbedingungen festschreiben. Häufig wird sich daran allerdings nicht gehalten. Die CCC bemängelt, dass vor allem die großen, transnationale Firmen Strukturen geschaffen haben, die Schlupflöcher zur Umgehung der Kodizes zulassen. Fremdproduktionen und Subunternehmer gehören hierzu, ebenso schnell wechselnde Produktionsstandorte. Letztlich dienen sie aber alle dem Ziel, möglichst billig - unter Umgehung der Kodizes - zu produzieren.

"Sweatshop Free" Produkte werden so zu einem indirekten Qualitätslabel, das dem Verbraucher garantiert, ein Produkt zu kaufen, das unter fairen Bedingungen und nicht durch Ausbeutung hergestellt worden ist. Innerhalb der Sportindustrie werden die Arbeitsbedingungen gerne vergessenen oder verdrängt. Die Produktionsbedingungen sind kaum transparent.

"Sweatshop- Free" Produktion ist deshalb leider eine Sonderblüte der Industrie. Außer dem moralischen und ethischen Anspruch der Unternehmen, der öffentlichen Anprangerung und dem damit einhergehenden Imageverlust, gibt es keinerlei Druckmittel zur Sanktionierung dieser unlauteren Schweißarbeit.

 

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