Fleece


Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Fleece und Vlies. Beides wird gleich ausgesprochen. Die Unterscheidung liegt in der Konstruktion und im Einsatzbereich: Fleece wird sichtbar getragen, Vlies meist unsichtbar als wärmende Isolation in Jacken und Hosen eingearbeitet.

Obwohl sich Fleece flauschig und weich anfühlt, ist es weder Tierfell noch Wolle. Die meisten Fleece werden heute aus Polyesterfasern hergestellt. Im Gegensatz zu aufgerautem Jersey ist Fleece immer eine gestrickte Maschenware, ein Gewirk, das aus mindestens zwei Fadensystemen besteht: einem Grundfaden und einem florbildenden, zweiten Faden.

Nach dem Stricken oder Wirken beginnt der eigentliche Werdegang des Fleeces: In einem aufwendigen Verfahren wird die Oberfläche gebrochen. Scharfe, hakenbesetzte Röllchen reißen die Schlingen (Henkel in der Fachsprache) des Gewirks an der Oberfläche vorsichtig auf. Die aufgerissenen Fäden öffnen sich und unzählige Mikrofilamente quellen heraus.

Sie bilden den engmaschigen Flausch, der für die hervorragenden Eigenschaften des Fleeces bestimmend ist. In ihm sind Millionen winzigster Luftkammern eingeschlossen. Da Luft bekanntlich ein extrem schlechter Wärmeleiter ist, wird Körperwärme festgehalten und isoliert.

Nach dieser Grundbearbeitung folgen einige komplizierte Scher- und Nachbehandlungen. Diese entscheiden über die gewünschte Optik der Fleeceoberfläche, Wasserabweisung, Strapazierfähigkeit und über die Haltbarkeit. Je nach Wunsch entsteht ein langer, grober "Schafs-Look", eine Filz- und Lodenoptik oder eine fast samtartige Oberfläche.

Fleece kann ein- oder doppelseitig aufgeraut und in verschiedenen Gewichtsklassen hergestellt werden. Entscheidend ist der Einsatzbereich: So ist einseitig gerautes Fleece in leichten Ausführungen ideal für Sportunterwäsche mit guten Wärmeisolationswerten, während sich beidseitig aufgeraute Ware in schwerer Qualität für dicke Oberteile und den Einsatz bei Minusgraden eignet.

Im letzten Arbeitsgang macht Fleece verschiedene Behandlungen bzw. Ausrüstungen durch. Das Feuchtetransportvermögen wird so erhöht, die Wasserabweisung an der Außenseite intensiviert oder hautsensorische Eigenschaften beeinflusst.

Die Herstellung von Fleece ist so komplex, dass es Jahre dauert, um den richtigen Griff, optimalen Fall und ein ideales Wärme-Gewichts-Verhältnis zu erreichen. Die Finessen, die letztlich die Güte der Ware ausmachen, sind das wohlgehütete Geheimnis der Stricker und Fleecehersteller. Sie werden ebenso unter Verschluss gehalten wie die Coca-Cola-Rezeptur.

Ist ein Fleecepullover neu, sind kaum Qualitätsunterschiede auszumachen. Schwachstellen, wie Pillinganfälligkeit und Volumenverlust bzw. eine geringe Wärmespeicherkapazität, lassen sich erst nach dem Gebrauch und einer oder mehreren Wäschen herausfinden.

Aus diesem Grund ist Fleece ein Produkt, bei dem vor allem die etablierten Hersteller ihr Know-how ausspielen. Neben dem Erfinder des Fleeces, Malden Mills, USA, haben sich vor allem europäische Hersteller auf die Produktion von Fleece spezialisiert. Sie sorgen mit technischen Weiterentwicklungen für die breite Durchsetzung dieses Materials weit über den sportlichen Einsatz hinaus, in der Sports- und Leisurewear bis hin zur Damen- und Herrenoberbekleidung.

Billigfleece sind für dauerhaften Einsatz im Sport ungeeignet. Dennoch gibt es sie. Billiganbieter stellen Fleeceware her, die zu wesentlich niedrigeren Preisen in den Handel gehen, aber weder die funktionellen Eigenschaften der Markenfleece aufweisen, noch annähernd deren Qualität und Haltbarkeit. Das ist ein großes Problem im Verkauf.

Da der Konsument den Qualitätsunterschied nicht sehen und kaum fühlen kann, versteht er nicht, warum er für ein Markenfleece weit mehr bezahlen soll als für einen No-Name-Artikel. Es ist die Aufgabe des Verkäufers, überzeugende Argumente zu finden.

Neben reinem Polyesterfleece gibt es Woll-Velour, auch Woll-Fleece genannt. Ein Material für all diejenigen, die keine synthetischen Fasern tragen wollen, allergisch reagieren oder ausschließlich auf Naturfasern schwören.

Woll-Fleece ist entweder aus reiner Wolle oder wird in Mischung mit Polyesterfasern hergestellt. Die Polyesterfasern bilden dabei den stabilisierenden Kern der Maschenware, während die Wollfasern außen liegen. Vergleichbar mit dem Polyester-Fleece, besitzt Woll-Fleece gute wärmeisolierende Eigenschaften, ist windabweisend und nimmt viel Feuchtigkeit auf - bis zu 40 Prozent des Eigengewichtes.

Letztere Eigenschaft ist beim extremen Einsatz nicht unbedingt von Vorteil. Zwar dauert es sehr lange, bis sich Wolle wirklich feucht anfühlt. Ist sie es aber, kann die innen gespeicherte Wärme bei entsprechenden Temperaturen wie eine Kältebrücke wirken.

 

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